Rabat – In einer ungewöhnlich scharfen Stellungnahme hat Marokko jegliche Kritik an seinem Umgang mit irregulärer Migration zurückgewiesen und die alleinige Verantwortung für den jüngsten Anstieg der Überfahrten über das Mittelmeer bei einem spanischen Richtergerichtsbeschluss verortet. „Die Migrationsbarriere ist nicht gefallen, weil Schleuser sie durchbrochen hätten – sie wurde von einem spanischen Richter eingerissen“, so ein hoher Regierungsvertreter am Montag in Rabat.
Das Königreich, das von Madrid zunehmend als „Gatekeeper“ Europas in die Pflicht genommen wird, kontert nun mit ungewohnter Härte: Man habe niemals seine Zusagen gebrochen. Der wahre Schuldige sei vielmehr ein Urteil vom 8. Juli, das die automatische Zurückweisung von auf See aufgegriffenen Migranten praktisch unmöglich mache – und damit das „Herzstück des gesamten Abschreckungssystems“ lahmlege.
Für die Schlepperbanden und Menschenhändler bedeute dieser Richterspruch nichts anderes als eine „freie Fahrt-Immunität für illegale Seeeinreisen“, so die Regierungsquelle. Empört fragte der Vertreter: „Hat uns jemand vorab informiert? Nein. Hat jemand die absehbaren Folgen bedacht? Nein!“ Man habe Marokko schlicht im Regen stehen lassen – und nun müsse man sich anhören, dass die Schutzmechanismen versagten.
Besonders brisant: Das Madrider Urteil sei den spanischen Behörden von Beginn an bekannt gewesen – doch man habe die verheerenden Auswirkungen für die gesamte Sicherheitsarchitektur bewusst in Kauf genommen. Die nun folgende „empörte Reaktion“ komme viel zu spät und ignoriere die eigentliche Ursache.
Marokko macht damit unmissverständlich klar: Wer die rechtlichen Grundlagen der Migrationsbekämpfung eigenmächtig untergrabe, dürfe nicht hinterher erwarten, dass der Nachbar die Zeche zahle. Der „Wendepunkt“ liege nicht in marokkanischem Versagen, sondern in der bitteren Diskrepanz zwischen verursachendem Richterhammer und verspätetem spanischen Krisengewinsel.
