
Bahia-Palast
Der Bahia-Palast: Ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht in Marrakesch
Der Bahia-Palast (arabisch: قصر الباهية, „Palast der Glanzvollen”) zählt zu den prächtigsten und besterhaltenen historischen Bauwerken Marrakeschs. Die weitläufige Anlage mit ihren 150 bis 160 Räumen, kunstvollen Mosaiken, geschnitzten Zedernholzdecken und duftenden Orangengärten vermittelt noch heute einen Eindruck von der verschwenderischen Pracht des marokkanischen Hofes im späten 19. Jahrhundert.
Geschichte und Bauherr
Der Bahia-Palast wurde ab 1866/1867 vom Großwesir Si Moussa in Auftrag gegeben, einem ehemaligen Sklaven, der bis in die höchsten Staatsämter aufstieg . Der Name „Bahia” bedeutet „die Glanzvolle” oder „die Schöne” und geht der Überlieferung nach auf eine Favoritin des Großwesirs zurück . Die Bauarbeiten erstreckten sich über mehrere Jahrzehnte und wurden maßgeblich unter Si Moussas Sohn Ba Ahmed fortgeführt, der nach dem Tod seines Vaters die Macht übernahm .
Ba Ahmed, der als Regent für den jungen Sultan Moulay Abd el-Aziz fungierte, ließ den Palast erheblich erweitern und mit größtem Luxus ausstatten. Der Architekt El-Hadj Mohammed ben Makki el-Misfoui griff dabei auf das andalusische Erbe zurück und vollendete das Bauwerk nach sieben Jahren umfangreicher Arbeiten . Der Legende nach soll der Palast so angelegt worden sein, dass sich der stark übergewichtige Ba Ahmed bequem darin bewegen konnte – alle Räume sind ebenerdig und durch ein labyrinthartiges System von Gängen und Innenhöfen miteinander verbunden .
Nach Ba Ahmeds Tod im Jahr 1900 wurde der Palast geplündert und aller Wertsachen beraubt – eine Tat, die mancher auf die Eifersucht des jungen Sultans zurückführt . Während der französischen Protektoratszeit diente die Anlage dem Resident-General als Residenz .
Architektur und Ausstattung
Der Bahia-Palast vereint maurische und andalusische Stilelemente zu einem harmonischen Gesamtbild . Besucher betreten die Anlage durch einen kleinen Riad mit privaten Gärten und gelangen anschließend in den weitläufigen Ehrenhof (Cour d’Honneur), der einst als Harem des Großwesirs diente . Der 80 Quadratmeter große Hof ist mit Carrara-Marmor gepflastert und von einem Wandelgang mit bemalten Säulen und Zellige-Fliesenverzierungen gesäumt .
Die Empfangssäle des Palastes beeindrucken durch ihre aufwendig gestalteten Decken aus Atlas-Zedernholz, die von den besten Handwerkern aus Fès bemalt und vergoldet wurden . Die Wände sind mit Fayencen aus Tetouan verkleidet, während Moucharabieh-Gitter aus Stuck und Gips den oberen Teil der Räume schmücken . Besonders bemerkenswert sind die Buntglasfenster aus irakischem Glas, die im Maghreb eine absolute Rarität darstellen .
Zu den weiteren Höhepunkten zählen die mit Zellige-Fliesen verzierten Kamine und Fußböden sowie die üppigen Gärten mit Orangenbäumen, Zypressen, Daturas und Jasmin . Vom weitläufigen Riad aus bietet sich ein herrlicher Blick über den Norden der Medina bis zum Atlasgebirge .
Besucherinformationen
Der Bahia-Palast befindet sich am südlichen Ende der Medina von Marrakesch, in der Nähe des jüdischen Viertels Mellah . Er ist täglich von 09:00 bis 17:00 Uhr geöffnet (letzter Einlass 16:30 Uhr) . Für den Besuch wird eine Eintrittsgebühr erhoben . Da vor Ort keine Besucherinformationen verfügbar sind, empfiehlt sich der Besuch mit einem Führer oder einem digitalen Audioguide . Für die Besichtigung sollte etwa eine Stunde eingeplant werden . Die meisten Bereiche des Palastes sind für Rollstuhlfahrer zugänglich .
Da der Palast zu den beliebtesten Attraktionen Marrakeschs zählt, empfiehlt es sich, vor 10 Uhr zu kommen, um den Menschenmassen zu entgehen . Einige Bereiche können aufgrund von Renovierungsarbeiten vorübergehend geschlossen sein .
Geschichte
Reich dekorierter Palastkomplex des 19. Jahrhunderts.